Das Gehirn - Schlüssel zur Unendlichkeit. Der Geist ist mehr als unser Hirn


 
Sich im Unendlichen selber verloren
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(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das Gehirn - Schlüssel zur Unendlichkeit. Der Geist ist mehr als unser Hirn (Gebundene Ausgabe) Der deutsche Neurowissenschaftler Detlef B. Linke von der Universität Bonn gehört zweifelsohne zu den schillerndsten Gestalten seiner Zunft, erhält aber wegen seines Grenzgängertums nicht von allen Kollegen die gebührende Beachtung. Lange vor Newberg beschäftigte er sich mit der Frage, wie Religion und Götter in unser Gehirn kommen. Er scheut sich auch nicht davor, das Wort „Seele" in den Mund zu nehmen und sie als Metapher im Gehirn zu verorten. Für inhaltliche Spannung ist also gesorgt. Umso bedauerlicher finde ich es, dass Linke seinen überbordenden Geist nur schwer zügeln und von einer humanistisch geprägten Bildungssprache kaum ablassen kann. Aber so macht er es seinen Lesern nicht leicht, ihm bei seinen Gedankengängen immer folgen zu können, weil er einfach sehr viel Wissen voraussetzt.

Im neuen Buch nimmt er die Spuren früherer Ausflüge in religiöse Räume wieder auf, bindet sie in neue Erkenntnis der sich rasch wandelnden Neurologie ein und zeigt, in welche Richtung sich philosophisches Fragen bewegt, wo Natur- und Geisteswissenschaft sich überschneiden, was an Gedankenarbeit noch zu leisten ist und wie populäre Irrtümer uns die Sicht vernebeln. Weil sich Linke wie in früheren Büchern in sprachlichen Zwischenreichen aufhält, erreicht er leider genau die Leser nicht, die sich für eine naturwissenschaftliche Betrachtungsweise religiöser Fragen interessieren würden. Aber vielleicht unterschätze ich das Sprachbewusstsein neurologischer Laien mit religiösem Hintergrund. Die Befunde des Neuroradiologen Andrew Newberg und seiner Kollegen mögen zwar aus Sicht Linkes nicht immer zu überzeugen, aber ihr Buch „Der gedachte Gott" ist sehr viel verständlicher und anschaulicher geschrieben, als Linke dies offenbar vermag oder will. Als Einstieg in die Materie würde ich daher Newbergs Versuch eher empfehlen, zumal in ihm glänzende Passagen über den grundsätzlichen Aufbau unseres Gehirns zu finden sind.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 6. September 2004
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