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Aufforderung zur Nachdenklichkeit
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Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: You Are Not A Gadget: A Manifesto (Gebundene Ausgabe) Ja, Facebook oder Twitter sind meistenteils zu flach, youtube klaut den Musikern den Profit, in Foren tummelt sich manchmal eine miese Meute, höhnisch die Anonymität ausnutzend. Aber das Web 2.0 hat auch seine guten Seiten. Das weiß auch sein Mitbegründer Jaron Lanier. Zunächst hat es uns aus der Passivität des Fernseh-Konsums befreit. Mit Wikipedia ist ein sehr brauchbares Gemeinschaftswerk entstanden: Allerdings zeigt so ein digitaler Lexikon-Klotz nicht gerade die persönliche Handschrift eines Literaten oder Philosophen. So betont Lanier, dass es charakteristisch für kreative Menschen ist, sich einmal eine Weile zurückzuziehen, um in der gewonnenen Konzentration neue Projekte zu ersinnen. Sie können sich also nicht hetzen lassen von Quantitäts-Anforderungen oder von der ständig geforderten Präsenz, die den Platzerhalt sichert auf den vorderen Seiten von google oder ähnlichen Suchmaschinen. Da hat er mal wieder recht. Die zur Zeit bestehende Technologie ermöglicht anonyme Lynchjustiz in Foren (andere aber haben mittlerweile Moderatoren eingebaut, die das begrenzen). Das Prinzip, dass der jeweils neueste Eintrag zählt, verführt zur verflachenden Überproduktion. Es gibt aber auch Webseiten-Programmierungen, die den Vorrang der Chronologie aushebeln und nach anderen Kriterien sortieren. Es geht also darum, die Würde des schöpferischen, individuellen Menschen nicht unter die Räder der geschaffenen Betriebsamkeit kommen zu lassen. Was als epochale Chance begann, soll die Gesellschaften nicht in die Verdummung zerren. Ich denke, das kriegen wir schon hin, es sind genügend im Web 2.0 unterwegs, die mit Nachdenklichkeit zu Werke gehen - und sich zum Beispiel dieses Buch zu Herzen nehmen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Januar 2010 |